Wettiner Hof

Gemütliche Gastlichkeit im Herzen der Stadt Wettin.

Der Wettiner Hof

Auch: Zum schwarzen Adler - Preußische Krone - Preußischer Hof
Gast- und Wirtschafts- Gerechtigkeit seit 1757
auf Sr. Königlichen Majestät allergnädigsten Spezial - Befehl

Die erste Erwähnung dieses Gasthauses in einer historischen Quelle findet sich aus der Zeit des Siebenjährigen Krieges:

"Im Jahre 1757 erteilte der Preußische König Friedrich der Große dem Bürger Thomas in Wettin die Gerechtigkeit zum Betreiben einer Gastwirtschaft mit Ausschank, denn der Bürger Thomas, welcher ein am Markte belegenes Haus eigenthümlich besaß, hatte erkannt, daß in diesen Kriegszeiten (Siebenjähriger Krieg) in Wettin kein Gasthof sey, wo fremde Durchreisende logieren könnten."

Zu den Bedingungen der Eröffnung der Gaststube heißt es weiter:

"Der König gewährte die Concession unter der Auflage, daß jährlich ein Canonis von einem Taler an die Cämmerey daselbst zu entrichten sei. Die Schildgerechtigkeit ging auf den "Schwarzen Adler" - als Schenke schon viel länger bestehend."

Über die danach folgende Geschichte dieser Schankwirtschaft ist weiterhin überliefert:

Wettin_1899.jpgBis 1786 verblieb der Gasthof in Besitz der Familie Thomas. Danach wechselten die Besitzer häufig.
Sie sind alle bekannt aus einem Rechtsstreit zwischen dem Magistrat und dem Gasthof. Denn der "Schwarze Adler" stand in Konkurrenz zum nahen Ratskeller. So kam es, dass die Ratsherren verlangten, der Wirt solle sein Bier nicht direkt vom Brauhaus, sondern vom Ratskellerwirt beziehen. Ein langwieriger Gerichtsstreit setzte ein, wer dann letztendlich um 1800 vor dem Richter siegte, ist nicht mehr herauszufinden.

In der Napoleonischen Zeit und nach dem Wettiner Zwischenspiel des schillernden preußischen Prinzen Louis Ferdinand, erscheint der Gasthof mit dem Namen "Preußische Krone" in alten Aufzeichnungen. Als Besitzer wird Vater Picht angegeben.

In der Zeit des Königs Hieronymus war die "Preußische Krone" Sammelpunkt hiesiger und auswärtiger Patrioten und wurde seinerzeit von den Schergen des französischen Marschalls Duroc, welcher hier die Herrschaft ausübte, stark beaufsichtigt. Vater Picht war der Kommandant der Wettiner Veteranenkompanie von 1813. So blieben denn auch die Veteranen und später die Landwehr- und Kriegervereine treue Gäste. Literarisch wird der "Preußischen Krone" mit dem Wirt Peter Picht von Armin Stein ein Denkmal gesetzt, in seiner Geschichte "Wettin in Not". Wenn es dabei auch um ein trauriges Ereignis, nämlich das Begräbnis des letzten Wettiner Bergamtsdirektor, des Herrn von Bredozv, geht, so erscheinen Gasthof und Wirt recht fröhlich dargestellt:" Darauf füllten sich die Gastwirtschaften mit Bürgern, denen es darum zu tun war, sich die Traurigkeit mit Spirituosen zu verscheuchen. Am regesten ging es zu in der "Preußischen Krone". Vater Picht konnte mit der Leichenfeier zufrieden sein, war er auch! Sein Gesicht glänzte in Behagen und er ließ einen Witz nach dem anderen los ...".

1855 entstand unter dem Besitzer August Meichelt der "Preußische Hof".

Wettin_1899.jpg1886 übernahm der Gastwirt Robert Einecke das Geschäft. In dieser Zeit war der Gasthof ein gutbürgerliches Lokal, war Ausspann- und Logierhaus und blieb es auch als Richard Florl 1902 die Wirtschaft übernahm. Im Saal fanden die verschiedensten Veranstaltungen statt. Für seine Stammgäste (Honoratioren des Ortes und der Umgebung) führt er das beliebt gewordene Freyberg - Bier ein. Auch die nachfolgenden Wirtsleute, Familie Göricke schenkten dieses Bier aus. So wurde Familie Göricke 1927 mit dem 25jährigen Jubiläumsgeschenk der Halleschen Brauerei überrascht.

Ein letztes Mal wechselte der "Preußische Hof" in eine völlig neue Familie. 1936 übernahm Herr Paul Häder den Gasthof, seitdem ist er in Familienbesitz, auch wenn dazwischen die sehr harten und traurigen Jahre des Zweiten Weltkrieges liegen. Herr Häder kam bei einem Bombenangriff 1945 in Halle ums Leben. Seine Frau Margarete hatte in den schweren Nachkriegsjahren die Wirtschaft zu führen, die zwei Kinder zu erziehen, auf der Basis von Lebensmittelkarten ein schmackhaftes Essen zu kochen und Feuerungsmaterial zu beschaffen. Mit den Gästebetten war es bereits im Kriege aus, denn in den Räumlichkeiten waren zunächst Soldaten der Wehrmacht und später dann Flüchtlinge untergebracht.

hof_heute.jpgDennoch haben es Frau Haupt, geb. Häder, und ihr Mann auch in der DDR Zeit geschafft, das Haus als Erstes am Platze zu führen, um es wiederum zusammen mit den Töchtern zu erhalten.
Aus dem "Preußischen Hof "wurde 1946 der "Wettiner Hof". Und das ist er geblieben, auch wenn sein Äußeres eher der "Preußischen Krone " ähnelt. Im Inneren wurde die Vergangenheit von Baufachleuten hervorgezaubert. Uralte Bohlen schmücken die Gaststube bzw. das Bohlenzimmer, das wahrscheinlich noch aus der Zeit des "Schwarzen Adler" stammt. Aber die heutigen Besitzer, die Hädersche Enkelin Frau Böttcher mit ihrem Mann, haben auch die neue Zeit ins alte Haus einziehen lassen und möchten ihre Gäste auf das Angenehmste bewirten.

Fühlen Sie sich bei uns wohl!